Dienstag, 15. März 2011

4. Position: Christoph Cagnelli

Klanginstallation
Christof Cagnelli

Das Hauptinteresse von Christof Cagnelli gilt dem Medium Klang und seinen komplexen Möglichkeiten und Anwendungen. Insbesondere Klang im (öffentlichen) Raum. Klangräume und/oder dicke vorhandene Klänge werden erzeugt oder aufgezeigt. Es gibt spezifische Entfaltungsmöglichkeiten des Klangs im Raum, Räume werden transparent und wahrnehmbar. Sie werden hörbar gemacht.
Bereits am Ausgangspunkt der Installation findet eine intensive Auseinandersetzung mit dem Raum selbst statt. Der Künstler versucht, diesen zuerst über klangliche Komponenten zu definieren und kennenzulernen, um die ureigensten Klänge für den jeweiligen Raum zu finden und aufzudecken.
Als konkretes Projekt ist eine (permanente) Klanginstallation an/auf/unter der Brücke geplant.
Im gesamten Ausstellungsareal sind an exponierten Stellen mehrere Mikrophone angebracht, die (in real time) Klänge des Ortes aufnehmen, und daraus eine Stimmung der vor Ort existierenden „Klanglandschaft“ extrahieren. Durch mannigfaltige Bearbeitungen am Computer werden diese
Klänge teilweise so weit bearbeitet/abstrahiert, um sie als Material für die klangarchitektonische Installa- tion in diesem neuen Raum zu etablieren. Der ursprüngliche Raum der Aufnahmen schwingt dennoch mit, so als ob er im realen Raum ver- steckt zu sein scheint. Dies funktoiniert ähnlich wie z. B. das Radio in einem größeren Kontext. Der beanspruchte ätherischen Raum durchdringt hier den lokalen Raum.

Teilweise vorher, am selbigen Ort gemachte Aufnahmen anderer Tages- und Nachtzeiten werden akustisch eingespeist, und zu ganz bestimmten Zeiten wieder abgespielt.
Es kristallisiert sich eine gewisse Zeitarchitektur auf den spezifischen Raum heraus, ein feines Tuning von Um- gebung, Klängen und eitab- läufen; eine dynamische Situation. Daraus ergeben sich einerseits Stimmungsbögen über den ganzen Tag, andererseits punktuelle Events, die sich in einem bestimmten Rhythmus, in einem Zeit-Raum-Pattern, in puncto Intensität/Qualität wiederholen lassen. So kann man zB. zu Beginn jeder vollen Stunde jeweils einen intensiveren Klangabdruck erzeugen.
Der Raum beginnt zu atmen.
Er gleicht einem Organismus, der auf Impulse von außen reagiert. Die Quantität der Reize generiert die Atmung, läßt den Raum zwischen Mikro- und Makroorganismus hin- und herpendeln. Pulsfelder und Sonarsignale stecken den Raum ab, Flächen von Klangfeldern füllen diesen. Die BesucherInnen können sich in diesem akustisch definierten Raum bewegen, die Dynamik der Prozesse individuell rezipieren, und sich nach Belieben auf den Raum tunen.
Indem man alle relevanten Komponenten aufeinander tunt, kann man Räume stimmen, in Räumen andere Räume definieren und etablieren, Räume füllen und leeren, ihnen eine andere Dynamik und Bedeutung geben und dadurch andere Rezeptions- und Wahrnehmungsverhalten auch bei den BesucherInnen evozieren. Der Künstler bezeichnet dies als Klangarchitektur.
Während der Ausstellung soll sich das Projekt kontinuierlich erweitern und verändern, und auch den ursprünglichen, klar definierten Raum verlassen können,
um sich über die unmittelbare Umgebung hinaus, weitergehend in den öffentlichen
Raum zu manifestieren.

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